Römisches Forum Waldgirmes e.V.
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Vorträge

Große Bedeutung der augusteischen Eroberungspolitik für Waldgirmes

                                                 Wilfried Paeschke, Dr. Felix Teichner, Peter Schepp Dass Waldgirmes das Potenzial zu einer bedeutenden Großstadt hatte, ist sich der Referent Dr. phil. Felix Teichner sicher. Das zeigen die Ergebnisse der systematischen Eroberungspolitik von Kaiser Augustus, die er 26 v. Chr. in Spanien begann und bis zum Ende seiner Regierungszeit bis in den südöstlich- gelegenen europäischen Raum fortsetzte. Den interessanten Ausführungen zu den Zusammenhängen der römischen Eroberungen zu augusteischer Zeit hörten knapp 130 Zuhörer im bis auf den letzten Platz besetzen Dorfgemeinschaftshaus in Waldgirmes zu.   Der Förderverein Römisches Forum Waldgirmes e.V. hatte dazu eingeladen und wie immer ist das Interesse an römischer Geschichte und seiner Bedeutung für die Region ungebrochen hoch. Wilfried Paeschke brachte dies bei seiner Begrüßung zum Ausdruck. Dr. Teichner leitet derzeit die Ausgrabungen am Wetzlarer Kalsmunt und ist ebenso an römischen Fundorten weitab seiner mittelhessischen Heimat zuhause. Der Referent von der Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften Vorgeschichtliches Seminar, fasste in seinem Vortrag die zahlreichen Grabungsergebnisse zusammen. So begann die römische Eroberung 26-25 v. Chr. in Nordspanien, um dort das bereits eroberte spanische Gebiet zu vervollständigen und sich das reiche Gold- und Edelmetallvorkommen in diesem Gebiet zu sichern. Hier sind die ersten Anfänge der Abgrenzung von militärischer Eroberung und ziviler Stadtgründung zu erkennen. Letzteres war geprägt von typischen Gebäuden  wie ein Forum oder Atriumhäuser. Während den Anfang ein Präsidium und ein nahe gelegenes Oppidum  machten, ist daraus heute die große Hafenstadt Tarraco entstanden. Auch 10 Jahre später eroberten Augustus Adoptivsöhne Tiberius und Drusus mit den Alpenfeldzügen wichtige Gebiete, die ebenfalls dem Zusammenschluss bereits eroberter römischer Provinzen dienten. Besonders deutlich war hier der systematische Ausbau der Verkehrsregionen zu beobachten, was die Neustrukturierung von militärischem Gebiet hin zu zivilen Bereichen deutlich macht. Auch hier erfolgte eine Stadtgründung im Hinterland von Basel, die "Augusta Raurica". Ab dem Jahre 6 nach Christus eroberte Augustus den Südost-europäischen Raum. Wie auch bei den zuvor genannten Fundorten fand man hier die typische Terra Sigilata - quasi ein aus Oberitalien importiertes Markenprodukt römischen Geschirrs aus augusteischer Zeit. Nach und nach entwickelte sich die Donau zur Grenze des römischen Reiches. Doch was hat dies alles mit Waldgirmes zu tun? Dr. Teichner erklärte dies anhand von Überschneidungen in den Fundergebnissen: Der räumlichen Nähe von ziviler Stadtgründung und nahe gelegenem Oppidum, den typisch-römischen Bauten zu Beginn einer Stadtgründung, wie Forumgebäude und Atriumhäuser, den Funden von Terra Sigilata, der Interaktion der Eroberer mit den heimischen Bevölkerungen sowie dem römischen Straßenbau. "Wäre die Varusschlacht nicht gewesen, hätte sich Waldgirmes wirklich zu einer wichtigen Großstadt entwickeln können", ist sich Teichner sicher, "all diese Zeugnisse augusteischer Eroberungspolitik zeigen Ähnlichkeiten zu der Stadtgründung in Waldgirmes." Um dies zu belegen erklärt Teichner am Ende seines Vortrages, dass die Suche nach römischer Infrastruktur, wie Straßen oder einem Hafen Potenzial hätte. Interessant ist auch die Betrachtung römischer Transportwege, denn daraus erschließen sich neue Funderwartungsgebiete, z.B. im Amöneburger Becken. Archäologische Möglichkeiten zur Beweissicherung stehen heute zahlreich zur Verfügung, zu nennen sind hier Luftbildaufnahmen, Drohnenflüge, geophysikalische Analysen oder Oberflächenbegehungen. Diese müssen nur genutzt werden. Was die weitere Verfolgung dieser Untersuchungen ergibt, sofern sie aus finanziellen und personellen Gründen stattfinden kann, interessiert die Fachwelt und die Öffentlichkeit sicher.

Trotz vieler Erkenntnisse: Die Suche nach dem römischen Hafen geht weiter

„Der Hafen von Waldgirmes harrt noch der Entdeckung“, diese Worte der Archäologin Dr. Gabriele Rasbach von der Römisch-Germanischen-Kommission waren ein willkommener Anlass für Detlef E. Peukert, die Suche an der Lahn aufzunehmen. Als Mitglied der Tauchergruppe der „Bayrischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e.V.“ (BGfU) forscht er dort nun federführend seit zwei Jahren mit Genehmigung des Landesamts für Denkmalpflege Wiesbaden sowie der Oberen Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Gießen. Während seines Vortrages „Auf der Suche nach dem römischen Hafen“ zog er nun Zwischenbilanz in der Geschäftsstelle des Fördervereins Römisches Forum Waldgirmes. Vor fast 70 Zuhörern begann Peukert mit Überlegungen, dass „vor 2.000 Jahren ein ca. 450 kg schweres Reiterstandbild, ein 1,2 Tonnen schweres, gefülltes Weinfass oder die Postamentsteine aus Lothringen irgendwie ihren Weg auf das Gelände der römischen, zivilen Siedlung gefunden hatten.“ Es steht fest, dass die Römer Ihre Waren meist auf dem Wasser befördert haben. Also muss es hier nahe der römischen Siedlung auf der Lahn die Möglichkeit dazu gegeben haben. Als Problem für diese mussten nur noch die letzten 800 m vom Lahnufer bis zur untersten Lahnterrasse mit festem Untergrund durch einen sumpfigen Auenwald überwunden werden. Noch bevor überhaupt an die ersten Tauchgänge zu denken war, studierte das Team alte Karten, Fluss- und Bachläufe, Bilder und Literatur. In die Forschungen flossen auch Erkenntnisse der Toponomastik (Ortsnamenforschung) ein. Auch die Lage des Dünsbergs gab interessante Aufschlüsse: „Während das heutige Dorlar und Wetzlar vom Dünsberg mit seiner keltischen Oppidum-Siedlung aus gut zu erkennen ist, kann man weder das Gelände der römischen Siedlung, noch die dahin führenden Wasserwege einsehen. Das bot den Römern Sichtschutz vor feindlichen Spähern und dürfte u.a. erklären, warum sie sich auf ihrem Weg ins östliche Germanien ausgerechnet an dieser Stelle, in Waldgirmes, niedergelassen haben“, erklärte Peukert. Allen Erkenntnissen zufolge war das Gießener Becken eher sumpfig, Teile der Lahn flossen damals wahrscheinlich anders als heute. Die Anordnung von Feuchte anzeigenden Bäumen und Wiesenpflanzen erhielt auf einmal eine große Bedeutung, was besonders bei den Luftprospektionen auffiel. Kurzum, die Lage des römischen Forums, sowie der Bäche Längebach und Metzebach ergaben trotz Ausreizens der Grenzen des physikalisch Möglichen als Zubringer immerhin Voraussetzungen, schwere Waren bis in die Nähe des römischen Forums zu verschiffen. Besonders, wenn man beide zusammenführen würde, wie wohl Ende des 18. Jahrhunderts gemäß alter Karten zeitweise geschehen. Mit römischen Flößen von 10 m Länge und 1-2 m Breite genügte schon ein Tiefgang von ca. 23 cm, um schwere Lasten im Bachbett mit festem Schotteruntergrund zu Fuß aus der Lahn zu bewegen. Mit einem „Side-Scan-Sonar“ untersuchte das Team rund um den „Hobby“-Archäologen und Archäologiestudenten Peukert die Lahn auf verdächtiges Material: Allerdings kamen zunächst nur „Begleitfunde“ späterer Zeit zutage. Die Taucher bargen einen von mehreren Pfosten der bereits Ende 16. Jh. aufgegebenen Mühle, „mule zu werde“ (1322) an der „Werderfurt“ (1324). Dieser konnte von Dr. Westphal auf 1106 datiert werden, was das Alter der Mühle um ca. 200 Jahre vor ihre Ersterwähnung datiert. Außerdem fand BGfU-Kollege und DLRG-Einsatzleiter Jürgen Reitz als einzigen archäologischen Nachweis für die Mühle einen mittelalterlichen Mühlstein aus Eifelbasalt (ca. 10. – 12. Jh.) in der Lahn. Dieser wies neben für damalige Zeit „modernen“ auch noch einige seit der Römerzeit verwendete Merkmale auf. So lässt sich der römische Einfluss auf spätere Kulturen auch daran fassen. Auffällig war außerdem, dass stehen gebliebener Auenlehm im Kiessee am Oberwasen diesen bis fast zur Mitte begehbar macht. „Das ist ein Indiz für ein früheres Ufer der Lahn im Bereich der Mündung des alten Längebachverlaufs“ so Peukert, „ein weiteres Indiz dafür ist der Fund eines Hufeisens und einer Kugeltopfscherbe aus dem 16. Jahrhundert an dieser Stelle.“ Auch die Lokalisierung der ehemaligen „Werderfurt“, die Dorlar mit Garbenheim verband, lässt einen veränderten Flussverlauf vermuten. Die Suche nach dem römischen Hafen blieb bislang trotzdem erfolglos. „Ich vermute nicht, dass es hier einen großen Hafen gegeben hat, sondern eher eine römische Schiffslände mit festem Untergrund für Krane und andere Hebezeuge“, erklärt Peukert den aufmerksamen Besuchern weiter, „und die zuführenden Bäche sind mit einem festen Schotterbett ausgestattet – eine ideale Voraussetzung für den Treidelverkehr im Bachbett“. Das Klima passte ebenfalls, denn in Zeiten um Christi Geburt war die Gegend sehr regenreich, Flüsse und Bäche führten daher ca. 20 % mehr Wasser. Eine letzte Hoffnung bleibt jedoch – und nicht nur auf den Fund einer römischen Schiffslände. Mit dem Side-Scan-Sonar entdeckten die Archäologen zehn Pfosten unterhalb der ehemaligen Werderfurt im Abstand von drei römischen Ellen, die in weiteren Tauchgängen näher untersucht werden sollen. Bei den letzten Untersuchungen mit Geomagnetik, Georadar, Geoelektrik und Erdbohrungen, die mit den Professoren Andreas Junge und Heinrich Thiemeyer der Universität Frankfurt und ihrem Team am Ufer der Lahn durchgeführt wurden, fand sich bei einer Weide nahe der Lahn ein schwarzes Mosaiksteinchen in der römischen Schicht, wie sie die Römer für ihre Mosaike nutzten. Vielleicht war es aus einem der Bäche angeschwemmt und nach einem Hochwasser von der Lahn im feuchten Gelände dort zurückgelassen worden. Die interessierten Zuhörer rundeten den Vortrag mit Beiträgen, Fragen und Diskussionen ab, die sich auch durch die ausgestellten Fundstücke ergaben. „Diese Anregungen sowie die Funde und Befunde werfen neue Fragen auf – und darüber freuen wir uns“, meldet Peukert begeistert zurück, „denn sie geben Anlass, weiter zu forschen. Neben dem Hafen könnte es nun auch Indizien für ein römisches Bad geben.“ Dem gehen die Forscher in nächster Zeit nach. Gespräche mit dem Professor für physische Geografie, Dr. H. Thiemeyer stehen bereits in den nächsten Tagen an. Im Laufe des Jahres und im nächsten Jahr sollen weitere geophysikalische Untersuchungen erfolgen. Die Frage, ob in der Umgebung des römischen Waldgirmes weiter geforscht wird, kann also dahingehend beantwortet werden, dass das Team der BGfU um Detlef E. Peukert plant, auch in den kommenden Jahren mit Tauchgängen die Forschungen fortzusetzen. Der Förderverein Römisches Forum Waldgirmes e. V., der Tauchclub Wetzlar und die DLRG Waldgirmes/Wetzlar werden diese Maßnahmen auch weiterhin begleiten. Auch das für den Abriss und Sanierung der Autobahnbrücke verantwortliche Bauunternehmen, Firma Glass Ingenieurbau Leipzig, mit seinem Bauleiter Dipl.-Ing. Olaf Kirsten ist trotz der Gefahren, die von der Baustelle für den Fundort ausgehen, ein wichtiger Kooperationspartner für neue Erkenntnisse aus der Geschichte in und um die Lahn.

Schuhnägel bestätigen: Caesar war an der Lahn.

Es war derart still im vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus in Waldgirmes, dass man die berühmte Stecknadel auf den Boden hätte fallen hören können. Gebannt folgten 120 Zuhörer dem lebendigen Ausflug der Referentin Dr. Sabine Schade-Lindig in die römische Geschichte von Limburg-Eschhofen. Dort soll in den nächsten Jahren die marode Autobahnbrücke durch eine neue ersetzt werden. Und zwar direkt neben der alten. Grund genug für Schade-Lindig, nach Vor lage der Baupläne genauer hinzuschauen. Sie entdeckte, dass es bereits 1937 während dem Bau der Reichsautobahn Ausgrabungen gab. Steinzeitliche Anlagen fand man damals. Jetzt war die einmalige Gelegenheit für weitere Ausgrabungen gekommen, bevor wieder, wie vor 80 Jahren geschehen, ein tiefer Schnitt die Geschichte des Bodens zerstören sollte. Die Archäologin erwirkte einen Baustopp, Der erste Schritt, eine geophysikalische Retrospektion (dabei wird der Boden mit magnetischen Messungen auf auffällige Verfärbungen untersucht), brachte Erstaunliches zum Vorschein. Zwei große Anlagen im Format von ca. 400 x 300 m waren auf den Bildern zu sehen. Die zweite davon mit einem Lagergraben, der mit 5m Breite das Lager umgab. Für ein Militärlager, das für gewöhnlich nur wenige Tage Bestand hatte, eine gewaltige Breite. „Der Boden hat ungewöhnliches zu erzählen“, so Schade-Lindig, „wir als Archäologen erkennen die Erdverfärbungen sofort und können diese deuten. Ich erkläre Ihnen das kurz“. So konnte auch der Laie anhand verständlicher Erklärungen unterstützt von Bildern nachvollziehen, was dort im Boden schlummerte. Mit einem 15-köpfigen Forschungsteam und einem Baggerfahrer arbeiten die Archäologen derzeit immer noch vor Ort. Fibeln, Werkzeuge, Keramik und verkohlte Holzreste haben sie gefunden. Lange ging Dr. Schade-Lindig aufgrund der Nähe zu Waldgirmes und Dorlar von einer augusteischen Anlage aus. Doch dann fand sie Schuhnägel, und zwar sehr große Schuhnägel. Das ist an sich nichts Besonderes in einem Militärlager, jedoch in diesem Fall die Antwort auf die Frage der zeitlichen Einordnung des Militärlagers. „Wir sind uns nicht zu schade und haben eine chronologische Ordnung der Schuhnägel erstellt“, erklärt Schade-Lindig, „denn diese lassen sich wesentlich besser datieren als Münzen.“ Das läge an der schnellen Umsetzung von effizienteren Verarbeitungen des Schuhwerks innerhalb der Legion, erläutert sie weiter. Währenddessen ruft sie eine weitere Folie auf, auf ihr die chronologische Sortierung der verschiedenen Schuhnägel-Durchmesser. Tatsächlich ergibt dies ein Muster – auch für den Laien sichtbar. Denn „Cäsarische“ Schuhnägel der Legionäre hatten mindestens 1-3 cm Durchmesser, während die „augusteischer“ Zeit eher 1,5 cm und kleiner waren. Plötzlich lag die Datierung der Militäranlage auf der Hand: Die Schuhnägel mussten aus der Zeit von Caesars gallischen Kriegen stammen, also ca. 55-53 v.Chr. „Was für eine Sensation“, erklärte Schade-Lindig begeistert weiter. In Verbindung mit Caesars Berichten ergab dies einen Sinn. Denn er beschrieb, wie er zweimal innerhalb zwei Jahren eine Brücke über den Rhein bauen ließ, mit 38 Cohorten (ca. 15.000 Legionären, Versorgungstrupp und ca. 500 Esel) darüber marschierte, um dem befreundeten keltischen Stamm – den Ubiern - Schutz zu bieten. Beim ersten Mal (55 v.Chr.) könnte Caesar mit seinen Legionen eine kleine Runde nahe der Lahn durch Germanien gezogen sein. Das wäre die einzige Möglichkeit, dass Caesar auch unserem heimischen Raum nahekam. Doch bewiesen ist dies nicht. Dem germanischen Volk, den Sueben, demonstrierte er damit seine Macht. Er verweilte anschließend kurze Zeit in seinem ersten Militärlager, verließ es anschließend, rückte wieder nach Westen, und riss die Brücke hinter sich ab. Der zweite Aufmarsch (53 v.Chr.) war aus demselben Grund, jedoch von kürzerer Dauer. Und diesmal ließ Caesar ein Stück Brücke als Warnung stehen. Beide Übergänge sind bisher unentdeckt, wohl ist es aber sehr wahrscheinlich, dass Caesar insgesamt 18 Tage im rechtsrheinischen Gebiet verweilte. Das beweisen die gefundenen Schuhnägel in Verbindung mit den Berichten Caesars. Welchen Einfluss dies auf die zivile, römische Siedlung Waldgirmes hatte, ist heute reine Spekulation. Wohl zog er ca. 50 Jahre vor der auf 4. V.Chr. datierten Errichtung der künftigen Siedlung bei Waldgirmes vorbei, seine Anmerkungen im Bericht waren jedoch alles andere als ermutigend, in Germanien zu siedeln. Aber wer weiß, welche Funde in Zukunft noch zu Tage treten. Wir haben gelernt: Geschichte ist äußerst interessant und spannend, besonders wenn sie so hervorragend und lebendig erzählt wird, wie von Dr. Sabine Schade-Lindig. Ein sehr lang anhaltender Applaus bestätigte dies.

Vortrag Blasinstrumente und Standarten im Römischen Heer von Dr. Cristina Georgeta Alexandrecu

Fachvortrag zum römischen Militär

Dem Förderverein Römisches Forum Waldgirmes e.V. ist es gelungen, die sich kurzzeitig in Deutschland aufhaltende Historikerin und Archäologin, Frau Dr. Cristina-Georgeta Alexandrescu, zu einem Fachvortrag mit dem Thema "Blasmusiker und Standartenträger im römischen Heer: ein wiedergewonnenes Bild" zu engagieren. Die Veranstaltung findet am Sonntag, dem 1. Dezember 2013, um 14.00 Uhr, in der Geschäftsstelle des Fördervereins, Georg-Ohm-Str. 2, 35633 Lahnau- Waldgirmes, statt. Zur kostenfreien Teilnahme sind alle interessierten Personen eingeladen. Frau Dr. Alexandrescu hat 1997 die Fakultät für Geschichte der Universität Bukarest besucht und 1998 dort Ihren Magister in alte Geschichte und Archäologie erworben. Im Jahr 2004 erlangte Sie das Doktorat in Klassischer Archäologie und provinzialrömischer Geschichte an der Fakultät für Philosophie der Universität Köln und 2008 den Doktor der Geschichte an der rumänischen Akademie, Institut für Archäologie "Vasile Pârvan", Bukarest.

Datierung antiker Hölzer – Ein Vortrag von Dr. Thorsten Westphal

Dass die Siedlung bereits 4-3 vor Christus erbaut wurde, ergaben archäologische Holz-Funde aus einer Brunnengrabung. Dieses erstaunliche Ergebnis haben wir der „Dendrochronologie“ zu verdanken. Die geowissenschaftliche Methode beschäftigt sich mit der Datierung von Holzfunden auf der Basis vorhandener Jahresringe. Während der Ausgrabungsphase im Römischen Forum Waldgirmes untersuchte der Dendrochronologe Dr. Thorsten Westphal die ausgegrabenen antiken Brunnenhölzer und bestimmte ihr genaues Alter. Die Methoden und die Voraussetzungen dafür stellt Dr. Westphal in einem Vortrag am Donnerstag, dem 28.03.2013, um 18.30 Uhr in der Geschäftsstelle des Fördervereins Römisches Forum Waldgirmes e.V. in der Georg-Ohm-Str. 2 in Lahnau-Waldgirmes vor. Dr. Westphal vom Dendrochronologischen Labor in Frankfurt hat bereits im September 2012 unsere Besucher beim Tag des offenen Denkmals mit seinem Wissen begeistert. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind zu dem Vortrag eingeladen.

Prof. Dr. Anja Klöckner begeistert mit lebendigem Vortrag

Eine Reise in die Antike durften rund 130 Besucher im mehr als vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus Waldgirmes erleben. Der Förderverein Römisches Forum Waldgirmes hatte zu dem Vortrag „Waldgirmes und das römische Alltagsleben“ eingeladen. Die Referentin, Frau Prof. Dr. Anja Klöckner des Instituts für Altertumswissenschaften der Universität Gießen, legte zu Beginn besonderen Wert auf die Tatsache, dass wir antike Gedankenmuster nie erfassen können. „Wer Archäologie unter diesem Aspekt betreibt, wird enttäuscht“, so Klöckner. Denn die Lebensbedingungen und die sozialen Verhältnisse können wir heute nicht mehr nachvollziehen, geschweige denn, uns in sie hinein fühlen. Daher wird Archäologie immer nur ein Kennenlernen der kulturellen Besonderheiten bleiben. Klöckner verstand es hervorragend, die Zuhörer zu fesseln. Mit der Bedeutung der zivilen Stadtgründung um Christi Geburt, der besonderen Lage der Stadt und der Weiternutzung als „Recycling-Zentrum“ nach 9 bzw. 16 n.Chr. erklärte Sie typisch römische Bauweisen, die sich auch in Waldgirmes fanden. „Römische Architektur war immer sehr regelhaft“, erklärte Klöckner. Es seit demnach möglich, die Außenfassade eines Hauses nachzuempfinden, jedoch nicht die Lage und Größe der Fenster zu bestimmen. Neben der Bedeutung des Forumsgebäudes und der Reiterstatue thematisierte Klöckner den Kaiserkult. Sie ist sicher, dass in Waldgirmes eine Kaiserstatue gestanden haben muss, denn Waldgirmes wurde neu gegründet. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass lediglich verdiente Bürger abgebildet waren, wie es in anderen Städten auch üblich war. Vom Forum ging die Reise weiter durch die Stadt. Handel, Handwerk und „Tabernae“ (Schankstuben) waren in sogenannten Portikus-Bauten untergebracht, die in Waldgirmes ebenfalls existierten, wie die Grabungsleiter Dr. Becker und Dr. Rasbach anhand Erdverfärbungen nachweisen konnten. Auch Brunnenfunde sind stets besonders interessant für die Archäologen. Denn Lebensmittelreste der Römer bleiben in Spuren erhalten. „Daher wissen wir“, so Klöckner, „dass heutige einheimische Früchte, wie Pflaumen oder Kirschen von den Römern eingeführt wurden.“ Während des Ausflugs in den römischen Alltag fand die römische Kleidung ebenfalls ihren Platz im Vortrag. Zunächst theoretisch erklärt zeigten zwei Frauen des Fördervereins römische Kleidungsstücke. So wurde eine römische Ehefrau mit einer Tunika, einer Stola und einer Palla ausgestattet. Erst ordentlich gekleidet durfte sie das Haus verlassen. Neben der zivilen Kleidung war das römische Militär ein fester Bestandteil einer Siedlung wie Waldgirmes. Mit den beiden Studenten Leon Schmieder und Pascal Schubert, beide erfahren auf dem Gebiet der experimentellen Archäologie, erklärte sie im lockeren und kurzweiligen Dialog die Besonderheiten des Lebens der römischen Soldaten. Sie zeigten einen Segmentpanzer und ein unfertiges Schild, beides haben sie selbst hergestellt. Doch der Höhepunkt war der Aufmarsch der Legio I GERMANICA. Fünf Legionäre betraten in kompletter Ausrüstung den Vortragsraum – sicher eine eindrucksvolle Überraschung für die Besucher. Nach einigen Fotos mussten diese Rede und Antwort stehen. Hier wurde deutlich, dass die Legionäre sich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen und über hohes Fachwissen verfügen. So ging der Vortrag in eine durchaus gewollte Diskussion über. Der erste Vorsitzende Wilfried Paeschke äußerte sich nach ca. 2 Stunden begeistert über den guten Besuch der Veranstaltung und dankte Frau Prof. Dr. Klöckner für den sehr lebendigen und anschaulichen Vortrag. Der Förderverein sei froh über den Ablauf dieser Veranstaltung und geht auch weiterhin positiv in die Zukunft mit interessanten Projekten und Vorhaben.

Prof. Lelgemann nahezu sicher: Mattiacum ist antikes Waldgirmes

 Mit freundlicher Unterstützung des Wetzlarer Unternehmens Helmut Hund GmbH und des Waldgirmeser Elektronikhandels Johannes Christ fand am 15. April der wissenschaftliche Vortrag „Mattiacum – das antike Walgirmes“ statt. Rund 300 interessierte Besucher waren der Einladung des Fördervereins Römisches Forum Waldgirmes in die Lahnauhalle Walgirmes gefolgt. Prof. Dr.-Ing. Dieter Lelgemann der technischen Universität Berlin erläuterte, dass erst seit wenigen Jahren durch aufwändige rechnerische Leistung die Entzerrung antiker Daten und deren Übertragung in ein modernes Koordinatensystem möglich ist. Die Ergebnisse veröffentlichte Lelgemann als Co-Autor 2010 in seinem Buch „Germania und die Insel Thule: Die Entschlüsselung von Ptolemaeos' Atlas der Oikumene“. Der griechische Bibliothekar Ptolomaeus (ca. 100-175 n.Chr.) benannte ca. 6.400 Orte weltweit durch geografische Koordinaten. Dabei stützte er sich auf militärische Landesvermessungen des Altertums, hinterlegt in der antiken Bibliothek in Alexandria. Doch eine Karte zeichnete er nicht, seine Angaben erfolgten numerisch. Diese waren jedoch teilweise so stark verzerrt, dass eine Zuordnung zu aktuellen archäologischen Fundstätten bisher nicht möglich war. Lelgemann erläuterte in einem eher technisch-wissenschaftlich geprägten Vortrag die Forschungsarbeit seines interdisziplinären Autorenteams. Das Ergebnis: eine entzerrte Karte der Germania Magna mit einer Abweichung von +/- 15 km. Bei einen der dadurch „entschlüsselten“ Orte handelte es sich um das antike „Mattiacum“, welchen das Autorenteam „messtechnisch“ geographisch zunächst in Naunheim platzierte. Eine Wertung zwischen der dort lokalisierten germanischen Siedlung und der in direkter Nachbarschaft liegenden römischen Ansiedlung bei Waldgirmes wurde anfangs in Unkenntnis deren Bedeutung nicht vorgenommen. Prof. Lelgemann ist sich jedoch zwischenzeitlich zu 99% sicher, dass es sich bei Mattiacum um die antike römische Siedlung bei Waldgirmes gehandelt haben muss, zumal der germanische Volksstamm der Mattiaker zu Zeitenwende in dieser Region anzusiedeln sei. Lelgemann verweist darauf, dass seine Arbeit lediglich Anhaltspunkte für weitere Forschungen der Archäologen bildet. Denn nur durch Funde können die errechneten Daten der antiken Orte bewiesen werden. Die Geschichte der römischen Stadtgründung in Waldgirmes bleibt ein spannendes Thema. Dies zeigte die sich an den Vortrag anschließende Diskussion, wenn auch der Vortrag ein eher technisch interessiertes Publikum ansprach. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen, sich im Diskussionsforum des Fördervereins auch weiterhin über den antiken Namen von Waldgirmes auszutauschen.

„Archäologische Gesellschaft in Hessen e.V.“ zu Gast im Römischen Forum Waldgirmes

Im Anschluss an die am 2. Juli 2011 in Wetzlar stattgefundene Mitgliederversammlung der Archäologischen Gesellschaft in Hessen e.V., wo u.a. über geförderte Projekte der letzten beiden Jahre berichtet wurde, besuchten 124 Mitglieder der Gesellschaft das Römische Forum Waldgirmes und die Geschäftsstelle des Fördervereins. Die Gesellschaft mit Sitz in Wiesbaden zählt derzeit 1.530 Mitglieder, vornehmlich archäologisch interessierte Personen sowie Museums- und Geschichtsvereine, und engagiert sich seit 1979 für die Erhaltung archäologischer Denkmäler und Stätten in Hessen. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl wurde die Führung in zwei Gruppen durchgeführt. Die beiden Fördervereinsmitglieder Dr. Armin Becker und Dr. Gabriele Rasbach informierten die Gäste über die 2.000 Jahre alte römische Geschichte von Waldgirmes. In der Geschäftsstelle des Fördervereins sahen sich die Gäste anschließend eine kleine Ausstellung mit originalen Keramik-Funden germanischer und römischer Herkunft aus der „Waldgirmeser“ Grabung an. Dies ist insofern bedeutsam, da mit den ersten Funden von Keramik-Scherben in den 1980er Jahren durch die Hobbyarchäologin Gerda Weller die Grabungsgeschichte von Waldgirmes begann. Die Exponate sind eine Leihgabe der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt. Sie können auch weiterhin von interessierten Besuchern zu den Geschäftszeiten oder während einer Führung besichtigt werden. Die nächste öffentliche Führung findet am 7. August statt, Gruppenführungen sind telefonisch buchbar.

„Trier hat viel, aber wir schauen manchmal neidisch nach Waldgirmes“

Am 14. Dezember 2010 hatte der Förderverein zu der Buchpräsentation „Kontaktzone Lahn“ mit den Herausgebern Dr. Armin Becker, Dr. Gabriele Rasbach und Prof. Dr. Kai Ruffing in die Geschäftsstelle eingeladen. Für die Moderation konnte Prof. Dr. Christoph Schäfer der Universität Trier gewonnen werden. Der erste Vorsitzende des Fördervereins Wilfried Paeschke begrüßte die Besucher der Veranstaltung. So waren Dr. Vera Rupp vom Landesamt für Denkmalpflege, Hermann Spory vom Magistrat Wetzlar, Vertreter von befreundeten Vereinen und einige Lahnauer Bürger der Einladung zu der Veranstaltung gefolgt. Nach einer kurzen Vorstellung des Moderators durch den Grabungsleiter Dr. Armin Becker referierte Prof. Schäfer zunächst über die „Germanen“ als Konstrukt Caesars. Denn im heimischen Raum waren viele „germanische“ Stämme angesiedelt, welche er als kulturell hochinteressantes Gemisch mit autonomen und flexiblen Entscheidungen bezeichnete. Die Strategie der Römer war nicht die der Eroberung (Romanisierung), sondern eher eine römische Durchdringung der Gegend und Anpassung an örtliche Gegebenheiten (Romanisation), so der Präsident der Varusgesellschaft. Er bezeichnet Waldgirmes neben Kalkriese als wichtigsten Fundplatz für seine These. Der Aufbau einer zivilen Siedlung bedeutete schon damals einen hohen Verwaltungsaufwand, daher sei der Fund der Siedlung in Waldgirmes schon etwas Besonderes. Nach Prof. Schäfer spricht mittlerweile einiges dafür, dass die Aufgabe der Siedlung nicht im Kontext mit der Varusschlacht zu sehen ist – dieses sei eher ein Geschehen mit regionalen Auswirkungen – sondern von einer Meuterei der hier ansässigen Legionen herrührt. Dies belegen gefundene Bronzefragmente der Reiterstatue unterhalb einer Straße römischen Ursprungs innerhalb der Siedlung in Waldgirmes. Prof. Schäfer, welcher seit 2008 Alte Geschichte in Trier lehrt, rekonstruierte bereits drei Flusskriegsschiffe, unter anderem die „Victoria“. Er betonte die hohe Relevanz der Fluss-Transportwege. Jedes schiffbare Wasser wurde genutzt, seine Forschungen ergaben, dass die Schiffbarkeit bei voller Beladung schon ab etwa 45 cm Tiefgang gewährleistet sei. Daher ist die Lahn als Transportweg als ebenso bedeutsam wie die Lippe (Haltern) zu bewerten. Mit dieser Einschätzung leitete Prof. Schäfer die Vorstellung des Buches „Kontaktzone Lahn“ ein. Das Buch beinhaltet eine Sammlung von Referaten zur Untersuchung von Kulturkontakten von Kelten, Römer und germanischen Stämmen. Das Buch enthält Studien zum Kulturkontakt zwischen Römern und germanischen Stämmen und ist eine Sammlung der wichtigsten Beiträge der Marburger Tagung „Kontaktzone Lahn – Begegnung dreier antiker Kulturen Römer – Germanen – Kelten“ aus dem Jahr 2006. Bis zur Bucherscheinung wurden von den jeweiligen Autoren die Beiträge aktualisiert. Thematisiert wurden u.a. der Austausch mit den Einheimischen, die Auseinandersetzung damit, ob die Römer Feinde oder Partner waren, regionale Differenzierungen im kulturellen Austausch, die Rolle der Religion, die logistischen Voraussetzungen in Waldgirmes, die Ernährung der Germanen und nicht zuletzt die Diskussion um den historischen und dem modernen Germanen-Begriff. Prof. Schäfer betonte noch einmal die große Bedeutung der Funde in Waldgirmes und sieht große Chancen in der weiteren Erforschung nach dem 2.000 jährigen Ereignis der Varusschlacht. Mit seinen Worten „Trier hat viel, aber wir schauen manchmal neidisch nach Waldgirmes“ beendete er die Präsentation. Das Buch „Kontaktzone Lahn“ aus dem Harrassowitz Verlag Wiesbaden ist in der Geschäftsstelle des Fördervereins in Waldgirmes und im Buchhandel erhältlich.

Was geht uns das römische Recht an?

So römisch ist das deutsche Recht Am Donnerstag, dem 5. August 2010, fand um 19.00 Uhr in der Geschäftsstelle des Fördervereins, Lahnau-Waldgirmes, Georg-Ohm-Str. 2, ein Vortrag zum Thema „Römisches Recht“ statt. In einem lockeren und kurzweilig gestalteten Vortrag wurde von den Rechtsanwälten Dr. Weller und Uffeln vom Europäischen Institut für Ehrenamt der geschichtliche Überblick zum Thema des römischen Rechts und der Gerichtsbarkeit vorgestellt. Dabei wurden überraschende Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zum heutigen Recht in den Bereichen Eigentum und Besitz sowie Bürgschaft und Ehe aufgezeigt. In einer anschließenden Diskussion beantworteten die beiden Fachanwälte gerne die Fragen der Zuhörer.
Das römische Volk des Fördervereins
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